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Der Niedergermanische Limes

Eine Karte der Fundplätze entlang des Niedergermanischen Limes

Der Niedergermanische Limes war ein bedeutender Grenzabschnitt des Römischen Reiches. Er folgte dem antiken Rheinverlauf und erstreckte sich auf einer Länge von ca. 400 Kilometern zwischen Katwijk (NL) an der Nordsee bis Bad Breisig in Rheinland-Pfalz.

Ab etwa 19 v. Chr. stationierte Kaiser Augustus Legionen am linken Rheinufer. Unter Kaiser Tiberius (Regierungszeit 14–37 n. Chr.) fanden die Ambitionen, die Gebiete auf der anderen Flussseite bis zur Elbe zu unterwerfen, ein Ende. Der Rhein trennte fortan den römischen Heeresbezirk auf dem linken, von den germanischen Siedlungsgebieten auf dem rechten Ufer.

Die Römer nutzten den Fluss als natürliches Annäherungshindernis. Anders als an anderen Limesabschnitten waren hier am „nassen Limes“ keine linearen Grenzbefestigungen nötig.

Zur Sicherung der Grenze lag ein großer Teil des römischen Heeres am Niedergermanischen Limes. Zu diesem Heeresteil, dem exercitus Germaniae inferioris, gehörte auch die Rheinflotte, die classis Germanica. Entlang des Rheins säumten Militärlager und Kastelle sowie einige Wachttürme das linke Ufer. Sie waren durch die sogenannte Limesstraße miteinander verbunden, deren Verlauf mit dem der heutigen Bundesstraße 9 in weiten Teilen identisch ist. Für Militär und zivilen Verkehr war diese Verkehrsader gleichermaßen von Bedeutung.

Welterbe-Antrag

Anhand der archäologischen Fundplätze des Niedergermanischen Limes lässt sich in besonderer Weise die Entwicklung einer Grenze des Römischen Reiches sowie das Leben und der kulturelle Austausch in ihrem Umfeld veranschaulichen. Aus diesem Grund hat das Land Nordrhein-Westfalen unter Federführung des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland gemeinsam mit dem Königreich der Niederlande und dem Bundesland Rheinland-Pfalz im Januar 2020 einen Antrag auf Anerkennung des Niedergermanischen Limes als UNESCO-Weltkulturerbe eingereicht. Er soll damit Teil der bereits bestehenden seriellen und länderübergreifenden UNESCO-Welterbestätte „Frontiers of the Roman Empire – Grenzen des Römischen Reiches“ werden.


 

 

 

 

Ein Foto der vier Bände des Welterbe-Antrages Nidergermanischer Limes

Der Antrag umfasst eine repräsentative Auswahl von 44 archäologischen Fundplätzen, die den „außergewöhnlichen universellen Wert“ dieses Limes-Abschnitts belegen. Auf deutschem Staatsgebiet liegen davon insgesamt 24, die sich auf 19 Kommunen in Nordrhein-Westfalen sowie eine in Rheinland-Pfalz verteilen. Die Entscheidung der UNESCO über den Antrag soll nach eingehender Prüfung im Sommer 2021 fallen.

Der Niedergermanische Limes in Nordrhein-Westfalen
Ein Foto der rekonstruierten römischen Stadtmauer der Colonia Ulpia Traiana im LVR-Archäologischen Park Xanten

Entlang des rund 220 Kilometer langen Grenzabschnitts im heutigen Nordrhein-Westfalen lagen einige der wichtigsten Militärstützpunkte und zivilen Zentren des Niedergermanischen Limes.

Die Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln, war die Hauptstadt der Provinz Niedergermanien. Hier befand sich der Amtssitz des Statthalters, das Praetorium, das heute noch in weiten Teilen unter dem „Spanischen Bau“ des Rathauses erhalten ist.

Bedeutende Fundstätten des römischen Militärs in Nordrhein-Westfalen sind zum Beispiel die Legionslager von Vetera bei Xanten, Novaesium/Neuss und Bonna/Bonn sowie die „Alteburg“, der Standort der Rheinflotte in Köln-Marienburg.

An einigen dieser Orte ist der Verlauf der antiken Lagerstraßen noch heute im Stadtbild erkennbar. Doch der Lagerbau wollte gelernt sein:

Auf dem Marsch und auf Feldzügen gehörte er zum Tagesgeschäft.

Zu Übungszwecken legten Soldaten im Hochwald bei Uedem und im Kottenforst bei Bonn Lager an, deren hervorragend erhaltene Wälle dort entdeckt werden können.

Eine farbige Laserscan-Aufnahme mit den Umrissen römischer Übungslager im Kottenforst
Ein Foto des römischen Kastells Haus Bürgel mit vier Kaltblut-Pferden im Vordergrund

Ein wichtiger Schauplatz römischer Geschichte in Nordrhein-Westfalen liegt in Krefeld-Gellep. Hier fanden sich neben einem großen, seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. belegten Gräberfeld und einem Hilfstruppenkastell archäologische Zeugnisse einer bedeutenden Schlacht aus der Zeit des Bataver-Aufstandes (69/70 n. Chr.).

Ein wichtiges ziviles Zentrum am Niedergermanischen Limes war die Colonia Ulpia Traiana bei Xanten. Von Kaiser Trajan (Regierungszeit 98–117 n. Chr.) gegründet, gehörte sie neben Trier und Köln zu den größten Städten nördlich der Alpen. Heute lohnt ein Besuch im LVR-Archäologischen Park Xanten, der auf dem ehemaligen Stadtgebiet der Colonia liegt. Beeindruckende Beispiele für die Phase der spätantiken Befestigungen am Rhein sind die Überreste der Kastelle Divitia (Köln-Deutz) und Haus Bürgel bei Monheim. 

Der Niedergermanische Limes in Rheinland-Pfalz
Ein Foto des historisch falsch rekonstruierten römischen Limes-Wachtturmes bei Rheinbrohl

Ein etwa 20 Kilometer langer Abschnitt des Niedergermanischen Limes liegt heute in Rheinland-Pfalz.

Sein südliches Ende markiert das auf dem Stadtgebiet von Remagen liegende Kastell Rigomagus mit Zivilsiedlung und Gräberfeldern, das von 5 v. Chr. bis ca. 450 n. Chr. bestand. Südlich davon, im Vinxtbachtal bei Bad Breisig, verlief die Grenze zwischen den beiden römischen Provinzen Nieder- und Obergermanien. 

Am gegenüberliegenden Ufer, etwas weiter rheinaufwärts, begann der Obergermanisch-Raetische Limes, dem das hier gelegene Kleinkastell Rheinbrohl bereits zuzurechnen ist. 

Der Niedergermanische Limes in den Niederlanden

In den Niederlanden führte der Niedergermanische Limes entlang des römerzeitlichen Rheinverlaufs durch die heutigen Provinzen Gelderland, Utrecht und Zuid-Holland von Nimwegen bis Katwijk an Zee. Dieser Abschnitt ist etwa 120 Kilometer lang.

Wichtige Stätten am Niedergermanischen Limes in den Niederlanden sind u. a. Matilo/Leiden-Roomburg, Fectio/Vechten oder Noviomagus/Nimwegen, wo die Römer ein großes Legionslager errichteten. In Utrecht können unter dem Domplein im Zentrum der Stadt die Überreste des römischen Kastells Traiectum besichtigt werden.

Ein Foto des niederländischen "Park Matilo" in Leiden/Roomburg, die moderne Rekonstruktion des dortigen römischen Kastells