Direkt zum Inhalt

Das Römische Reich

Eine Landkarte zur Ausdehnung der etruskischen Zivilisation von 750-500 v. Chr.
Gründung und Königtum

Laut der Sage von Romulus und Remus wurde Rom im Jahr 753 v. Chr. gegründet. Dagegen zeigen archäologische Befunde, dass schon im 13. Jahrhundert v. Chr. erste Siedlungen auf dem Aventin, einem der sieben Hügel, und am Tiber bestanden. Schon für das 8. Jahrhundert v. Chr. ist auch ein Hafen an der Tiberfurt nachgewiesen. 

Als das „Gründungsdatum“ Roms nehmen Forscherinnen und Forscher die Zeit um 600 v. Chr. an. Ab dem 6. Jahrhundert sind als Bevölkerung Roms eindeutig Etrusker, eine norditalische Volksgruppe, belegt. 

Viele der frühen etruskischen Einflüsse nennen wir heute „typisch römisch“, zum Beispiel die Nutzung einer - nach griechischem Vorbild entwickelten – Schrift, das dreiteilige Namenssystem, Gladiatorenkämpfe und verschiedene Rituale der Weissagung. Möglicherweise ist auch der Stadtname „Rom“ von einem etruskischen Adelsgeschlecht namens „Rumela“ abgeleitet.

Im Stadtstaat Rom herrschten zunächst etruskische Könige, über die aber wenig bekannt ist.

Schon früh dehnte Rom seinen Einfluss auf die umgebende Region Latium aus und entwickelte sich zu einer lokalen Macht.

Rutenbündel, Armschutz und Helm für Gladiatoren-Schaukämpfe im LVR-Archäologischen Park Xanten.
Animierte Karte der Römischen Republik und des Römischen Reiches im Zeitraum von 510 v. Chr. Bis 530 n. Chr.
Die römische Republik

Möglicherweise aufgrund einer verlorenen Seeschlacht im Jahr 474 v. Chr. verloren die Etrusker in Italien an Bedeutung. Historiker vermuten, dass damit auch das etruskische Königtum in Rom endete. Der römische Staat war danach eine Art Republik, in der zunächst jedoch nur die Patrizier (Angehörige des römischen Adels) politische Macht ausübten. 

Die Plebejer (die Angehörigen des einfachen Volkes) forderten darum in langen Kämpfen politisches Mitspracherecht, das ihnen jedoch erst um 367 v. Chr. gewährt wurde. Jetzt entschied eine „Regierung“ aus zwei Konsuln, einem 300 Mitglieder starken Senat, Magistraten (Beamten) und einer Volksversammlung mit Volkstribunen über die öffentlichen Angelegenheiten der römischen Republik. Auch diese Regierung war aus heutiger Sicht nicht wirklich demokratisch: Nur männliche Bürger Roms waren in den Volksversammlungen (Komitien) stimmberechtigt und nur wohlhabende Personen konnten sich um die unbezahlten Staatsämter bewerben. Dies schloss die meisten Plebejer weiterhin von diesen Posten aus. Ein großer Teil der Bevölkerung, wie Frauen und Sklaven, hatte keinerlei Mitspracherechte. 

Durch Verteidigungs- und Eroberungskriege sicherte die römische Republik ihre Existenz und erschloss sich darüber hinaus neue Einnahmequellen. Dabei machte Rom aus besiegten Gegnern Verbündete, indem es mit ihnen vorteilhafte Bündnisse schloss. Diese Politik begünstigte den Aufstieg Roms erheblich. Zu Beginn der Kaiserzeit beherrschte der ehemalige Stadtstaat den gesamten Mittelmeerraum.

Triumvirat, Expansion und Übergang zur Kaiserzeit

Die Machtansprüche verschiedener römischer Heerführer lösten im 1. Jahrhundert v. Chr. einen Bürgerkrieg aus, der im Jahr 60 v. Chr. zum Ende der römischen Republik führte. 

Jetzt übernahm das erste „Triumvirat“ (Dreimännerbündnis) des Gnaeus Pompeius Magnus (106-48 v. Chr.), Marcus Licinius Crassus (115-53 v. Chr.) und des Gaius Julius Caesar (100-44 v. Chr.) die Regierungsgeschäfte. Dieses Bündnis mündete in der Diktatur Caesars, der durch sein Amtsjahr als Konsul und seine gallischen Eroberungen eine stabile politische Position erreicht hatte. 

Caesars Ermordung im Jahr 44 v. Chr. führte zu politischen Unruhen, ehe ab 43 v. Chr. das Zweite Triumvirat der Feldherren Gaius Octavius (Octavian), Marcus Aemilius Lepidus und Marcus Antonius die Regierung des römischen Staates übernahm. Octavian entmachtete in den nächsten Jahren nacheinander seine Amtskollegen, ehe er 30 v. Chr. Ägypten eroberte, nach Rom zurückkehrte und den römischen Bürgerkrieg beendete.

Marmorbüste von Gaius Julius Caesar, datiert zwischen 50-40 v. Chr., heute ausgestellt im Museo di antichità in Turin.
Marmorstatue des römischen Kaisers Augustus (27 v. Chr.-17 n. Chr.) in Siegerpose
Prinzipat und Kaiserzeit

Octavian stellte offiziell die Republik wieder her, tatsächlich aber war er nun alleiniger Herrscher.

Die römische Republik war trotz der offiziellen Bezeichnung „Prinzipat“ also praktisch eine Monarchie. Um diesen Wechsel der Regierungsform zu verschleiern und neue Unruhen zu vermeiden, bezeichnete Octavian sich nicht als Kaiser, sondern als princeps „der Erste [Bürger]“, bis ihm der Senat 27 v. Chr. den Beinamen Augustus („der Erhabene“) verlieh. 

Unter Augustus wuchs das Reich um weitere sechs Provinzen. Eine hiervon war die spätere Germania Inferior (Niedergermanien), die Teile des heutigen Nordrhein-Westfalens, Belgiens und der Niederlande umfasste. 

In der Zeit der sogenannten Adoptivkaiser (Nachfolge durch Adoption) hatte das Römische Reich unter Kaiser Trajan (98-117 n. Chr.) die größte Ausdehnung. 

Es reichte von Schottland bis Nordafrika und von Portugal bis in den Nahen Osten. Seine Bevölkerung wird von Forschern auf etwa 50 Millionen Menschen geschätzt.

Kartenansicht des römischen Reiches zur Zeit seiner größten Ausdehnung beim Tod Kaiser Trajans 117 n. Chr.
Eine römische Goldmünze (Aureus) des Kaisers Postumus aus dem Gallischen Sonderreich. Die Münze wurde 261/2 in Köln geprägt und in Krefeld-Gellep gefunden. Sie gehört zu den Beständen des LVR-LandesMuseums Bonn.
Wann und wie ist das Römische Reich untergegangen?

Der Untergang des Römischen Reiches hatte außen- und innenpolitische Gründe. Mit zunehmender Bedrohung vieler Außengrenzen durch nichtrömische Volksstämme ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. wurde die Lage in vielen Provinzen so instabil, dass örtliche Militärs ihre Heerführer zum Kaiser ausriefen. Zwischen 235 und 285 gab es sechsundzwanzig dieser Soldatenkaiser. Manche römischen Provinzen wurden dabei zu eigenen Herrschaftsgebieten, wie z. B. das Gallische Sonderreich (260-274 n. Chr.), dessen Hauptstadt etwa ein Jahrzehnt lang Köln war. Bis zum Ende des 3. Jahrhunderts wüteten in Rom selbst immer wieder Bürgerkriege. 

Kaiser Aurelian (Regierungszeit 270-275 n. Chr.) gelang es, die Grenzen zu stabilisieren und die Sonderreiche wieder abzuschaffen. Dennoch war Rom wirtschaftlich stark geschwächt. Einfallende Germanenstämme hatten zahlreiche Provinzen geplündert. Es kam zu einer Geldentwertung. Bestechlichkeit war bei römischen Amtsinhabern an der Tagesordnung. 

Kaiser Diokletian (Regierungszeit 284-305 n. Chr.) schaffte es, mit umfassenden und teils ungewöhnlichen Maßnahmen den Staat weiter zu festigen. Mit drei Mitkaisern (Regierungsform: Tetrarchie = Viermännerherrschaft) unternahm er erfolgreiche Grenzsicherungs- und Eroberungsfeldzüge, setzte Steuer-, Finanz- und Verwaltungsreformen durch und verwirklichte umfangreiche Baumaßnahmen. 

Diokletians Versuch, die innere Einigkeit des Staates auch durch die Wiedereinführung des römischen Götterkultes zu stärken, führte zu Christenverfolgungen, da die Christen sich weigerten, den traditionellen römischen Göttern zu opfern. 

Unter Kaiser Konstantin (Regierungszeit 306-337 n. Chr., Alleinherrscher ab 324 n. Chr.) ging die Tetrarchie wieder in eine Alleinherrschhaft über. Konstantin verlagerte 330 n. Chr. die Hauptstadt des Römischen Reiches nach Konstantinopel, in das „neue Rom“ (heute Istanbul).

Foto des Kopfes einer bronzenen Kolossalstatue des Kaisers Konstantin I aus dem 4. Jahrhundert nach Christus
Kartenansicht des römischen Reiches zur Zeit seiner größten Ausdehnung beim Tod Kaiser Trajans 117 n. Chr.

Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb das Römische Reich durch Machtstreitigkeiten zwischen den Herrschern und durch Kriegszüge, ausgelöst durch einfallende Germanenstämme, bedroht.

395 n. Chr. wurde das Römische Reich in einen westlichen und einen östlichen Teil geteilt. 

Dies bedeutete jedoch nicht den Zerfall des Römischen Reiches als solchem, da in beiden Reichsteilen die gleichen Gesetze galten. Regierungssitze waren Konstantinopel im Osten und Mailand bzw. Ravenna im Westen.

Durch fortdauernde Kriegszüge und Invasionen entstanden auf dem weströmischen Gebiet nach und nach eigene Reiche germanischer Stämme. Der letzte weströmische Kaiser, Romulus Augustus, regierte von 475-476 n. Chr. 

Im oströmischen (byzantinischen) Reich herrschten noch bis 1453 n. Chr. Kaiser, ehe Konstantinopel unter osmanische Herrschaft fiel.

Warum ist das Römische Reich ein Weltreich?

Zur Zeit seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan lag das Römische Reich auf drei Kontinenten mit etwa 50 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. 

Umfangreiche Baumaßnahmen wie Straßen, Wasserleitungen, Kastelle, Villen, Gutshöfe, Thermen und vieles mehr schufen auch in bis dahin unerschlossenen Gebieten ein Gefühl römischer Lebensart. 

 

Bunt bemalte Wände im Bad an der Herberge im LVR-Archäologischen Park Xanten
Ein Foto von verschiedenen Glasgefäßen aus einem römischen Brandgrab in Zülpich.

Das dichte, gut ausgebaute und ausgeschilderte Straßennetz und die Nutzung der Schrift gewährleistete einen schnellen Austausch von Informationen und Waren. 

Die gute Verwaltung der Provinzen sowie die strategische Positionierung des Militärs ermöglichte es, den Gesamtstaat Rom mit Einkünften, Personal und Waren zu versorgen. 

Wegen seiner großen Ausdehnung und der einheitlichen Verwaltungsstruktur aller Provinzen wird „das Alte Rom“ als Weltreich der Antike bezeichnet.

Welche Länder gehörten zum Römischen Reich?

Die Frage, welche heutigen Länder zum Römischen Reich gehörten, ist schwer zu beantworten, da deren Grenzen sich sehr oft nicht mit den damaligen decken und häufig auch nur Teile heutiger Staaten zum Römischen Reich gehörten. Auch waren nicht alle hier aufgeführten Staaten durchgehend oder dauerhaft besetzt. Für eine möglichst anschauliche Übersicht sind hier die Länder, in denen Römer regierten, dennoch unter ihrer heutigen Bezeichnung aufgeführt.

  • Ägypten (mit Sinai-Halbinsel)
  • Algerien
  • Armenien
  • Belgien
  • Bosnien-Herzegowina
  • Bulgarien
  • Deutschland 
  • Frankreich (mit Korsika)
  • Griechenland (mit Kreta)
  • Großbritannien 
  • Irak 
  • Israel
  • Italien (mit Sardinien und Sizilien)
  • Jordanien
  • Kosovo
  • Kroatien
  • Libyen
  • Luxemburg
  • Malta
  • Marokko
  • Nordmazedonien
  • Montenegro
  • Niederlande
  • Österreich
  • Portugal
  • Rumänien
  • Schweiz
  • Serbien 
  • Slowenien
  • Spanien
  • Syrien
  • Türkei
  • Tunesien
  • Ungarn
  • Zypern